Buntes Programm beim Ancient Trance Festival

13. August 2017 | Von | Kategorie: Kultur, News

So bunt wie diese Welt, so reichhaltig schier unerschöpfbar der Reichtum der Musik so präsentiert sich Taucha in diesen Tagen. Über dem Schloss, der Kirche und am Schöppenteich breiten sich globale Klangwelten handgemachter Musik aus. Über 4000 Besucher aus der ganzen Welt lauschen fröhlich, friedlich und vor allem gewaltfrei den Klängen einer Musik, welche “die Menschen auf den ältesten Instrumenten der Welt schon immer gespielt haben und wofür die Maultrommel als Symbol steht”, wie es Melanie “Mela” Müller vom Organisationsteam treffend ausdrückte. Begeben sie sich mit auf einen Streifzug durch das Festival.

Am Freitag Abend in Tauchas St.-Moritz Kirche wurden Klänge aus Klangschalen und der japanischen Bambusflöte Shakuhachi geformt und die vorwiegend jungen Leute liegen oder sitzen mit geschlossenen Augen in dem über 1000 Jahre alten Gotteshaus und lauschen den sphärischen Klängen. “Kosmos.Klang.Stille”  nennen Pia Rücker (Klangschalen) und Sven Otto (Shakuhachi) ihr Projekt. Beide spielen schon seit 7 Jahren zusammen, nicht nur beim Ancient Trance Festival. Demnächst am 01.09.17 sind sie im ehemalige Fabrikgebäude der Dresdener Zigarettenfabrik Yenidze das nächste Mal zu erleben. Eigentlich verlieren sie bei ihren Konzerten keine großen Worte, aber diesmal nutzten sie die Gelegenheit um auf das Schicksal des vor kurzem in der Türkei bei einem Seminar zum Umgang mit Stress und Trauma für Menschenrechtsverteidiger*innen festgenommenen Berliner Seminarleiter und Menschenrechtler Peter Steudtner hinzuweisen. Ihm und weiteren neun Aktivisten wird die Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Dabei stehen die Menschen um Steudtner gerade für Gewaltfreiheit, Dialog und Verständigung. Das wird auch beim Festival ganz groß geschrieben genauso wie Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Das Wort BIO wird dabei ganz groß geschrieben, nicht nur bei den Toiletten auch beim Bier.

Während in der Kirche die ruhigen Klänge dominierten ging es auf dem Schloss doch etwas lauter zu als die Lüneborger Kombo “Arodice” ihren Organic Beats – live mit Beatbox, Didge und Maultrommel präsentierten und die Zuschauer auf dem brechend vollen Schlosshof begeistert mitgingen. Am Schöppenteich war das am Samstag Nachmittag nicht anders als TootArd eine Band aus den besetzten Golanhöhen/Syrien auf der Teichbühne spielte. Mit einem Mix aus arabischen Klängen, Rock und funky, afrikanisch inspiriertem Reggae gespielt auf traditionellen Instrumenten wie Gitarre, Bass, Schlagzeug und Saxophon begeisterten sie ebenso wie Malte und Alexander “Yatao” aus Deutschland auf der für die leiseren Klänge bekannten Chillout-Bühne. Fast zur gleichen Zeit demonstrierte Olena Podluzhnaya-Uutai aus Jarkutien wie man die Maultrommel als Gymnastik für Atem, Gedächtnis und Geist benutzen kann. Ihr Programm vereinte Kehlkopfgesang mit moderner elektronischer Musik zu einen packenden Folk-Fusion-Mix. Die chilenische Afro Funkn Beat Band “Newen Afrobeat” mit drei Frontfrauen und einer fünfköpfigen Bläsersektion überzeugte anschließend auf der Teichbühne mit einem tanzbaren Partysound gepaart mit einer Prise Sozialkritik. In einem Song erinnerten sie an den chilenischer Sänger, Musiker und Theaterregisseur Victor Jara, der während des Militärputsches 1973 ermodert wurde. Ein echtes Erlebnis. Kaum waren die Afrobeat-Klänge verklungen ging es auf dem Schlosshof weiter mit der ungarischen Power Folk Band “Zoord”, der neuen Band des Maultrommler-Virtuosen Áron Szilágyi, der sage und schreibe bei allen Ancient Trance Festivals dabei war und mit der Maultrommel groß geworden ist. Das war echte fröhliche Tanzmusik.

Flankiert wurde das Festival durch etliche Stände wo man die Instrumente kaufen konnte und Tipps zum Spielen bekam. Wie bei Andreas Schlütter, dem einzigen deutschen Maultrommel-Hersteller, oder bei Franz Harrecker in seiner (Bambus-) Maultrommel-Schnitzerey. Dabei bekommt man schon den Eindruck, dass die Maultrommel ein Gefühlsinstrument ist, der man spirituell heilende Wirkung zuschreibt. Sonst hätten sich nicht Gäste aus der ganzen Welt bestimmt nicht auf den Weg nach Taucha gemacht. Natürlich steht die Musik beim Festival im Mittelpunkt. Aber auch im Rahmenprogramm wurde den Gästen einiges geboten. Zum Beispiel konnte man inmitten der Festivalatmosphäre Anleitungen bekommen, wie man den Körper mit Yoga entspannen oder durch Klangmassagen sogar heilen kann. Entsprechende Angebote hielten dafür das Leipziger Yoga-Netzwerk als auch der Klangraum Witzenhausen bereit. Die zahlreichen Workshops, die wie in den vergangen Jahren sehr gut angenommen wurden, boten ein vielfältiges Programm in den Bereichen Instrumente & Gesang, Handwerk & Kunst, Körperarbeit & Tanz sowie Geist & Seele.

Auf dem Festival traf man auch Enthusiasten der ersten Stunde, wie Familie Winkel aus Berlin, die nach eigenen Aussagen schon vor 40 Jahren schon so herum gelaufen sind, wie die jungen Leute heute. “Nur damals hatten die Leute lange Haare und es gab noch keine Handys” schränkten sie ein. Sie kennen den Stadtpark auch ohne Festival und sind so erstaunt über die Veränderung der Umgebung. “Das ist einmalig in Taucha” unterstreichen sie. Auch Vera Löwenberg aus Bad Schwartau hat sich von einem Freund, der seit 40 Jahren begeisteter Maultrommelspieler ist, anstecken lassen. Begeistert von dem angenehmen Ort und der tollen Stimmung lobte die 52-jährige das unterschiedliche Angebot mit großartigen Künstlern. Freuen wir uns auf einen dritten und letzten Festivaltag.
Text und Fotos: Matthias Kudra

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